Als am 23. März 2000 in der Märkischen Oder-Zeitung unter dem Titel "Das Abzocker-Kartell von Strausberg" dargestellt wurde, "wie Immobilien zu Schleuderpreisen verhökert werden, um die guten Stücke für ein Vielfaches weiterzuverkaufen - mit sattem Gewinn", setzte eine Serie von gleichartigen Berichten in überregionalen Medien ein. Gemeinsam hatten sie vor allem, daß sie immer wieder die gleichen Behauptungen verbreiteten. Wahrscheinlich haben die Autoren sich die Arbeit leicht gemacht und eigene Recherche durch das Wiederholen bereits gedruckter "Fakten" ersetzt. Wie sonst konnten längst widerlegte "Beweise" immer wieder zur Argumentation herangezogen werden?
Besonders delikat wurden die Geschichten, weil den handelnden Personen Beziehungen untereinander angedichtet wurden, deren Existenz nie bestanden hatte. Die öffentlichen Herabwürdigungen reichten bis zur Offenbarung des Inhalts von MfS-Akten, die die Betroffenen selber noch nicht gesehen hatten. Auf welche Art sich die Autoren diese beschafften, ist wohl nie hinterfragt worden.
"Überaus spannend ist auch der Verkauf der Strausberger Molkerei vonstatten gegangen" heißt es im o.g. Artikel von Hans Georg Wackwitz. "Am 8. August 1991 kaufte der 1. Beigeordnete Wolfgang Winkelmann mit Vollmacht von Bürgermeister Schmitz für 1,5 Millionen Mark das Heizhaus. Übrigens von einem Geschäftsführer einer GmbH i. A. (im Aufbau), die laut Treuhandgesetz nach Paragraph 22 bereits liquidiert war. Bei diesem Geschäftsführer handelte es sich um Fritz Janczikowski, der zu DDR-Zeiten Vorgesetzter des jetzigen Strausberger Bürgermeisters Jürgen Schmitz war. Der arbeitete nämlich als Elektriker im Milchwerk."
Weiterhin wird ausgeführt, daß die Treuhandgesellschaft das Grundstück am 23. Juli 1992 Strausberg als Kommunaleigentum zuordnete, die Kommune am 10. August 1992 jedoch trotzdem den Kaufpreis von 1,5 Millionen überwies. "Mit dem Geld der Strausberger erwarb Kommunalpolitiker Winkelmann für die Stadt im Auftrag von Bürgermeister Schmitz das Heizhaus nebst Grundstück, ohne den Wert der Anlagen ermitteln zu lassen...bezahlte für ein Gelände einen Millionen-Preis, das ihr ohnehin gehörte...", behauptet der Autor weiter.
"Wer aus diesem Geschäft Nutzen zog", konstruierte er so: "Der Ex-Geschäftsführer der Molkerei, Fritz Janczikowski, kam in den Besitz von zwei Immobilien auf dem stadteigenen Gelände der Milchwerke."
Fritz Janczikowski lief Spießruten durch die Stadt. Immerhin waren rund 1.500 Strausberger im Laufe der Jahre bei ihm beschäftigt gewesen. Diese Schmähung mochte er nicht auf sich beruhen lassen. Mit Hilfe einer Rechtsanwältin wollte er eine Gegendarstellung durchsetzen. Doch sein Begehren kam zu spät und wurde auf der Grundlage des Landespressegesetz abgelehnt. So blieben die öffentlichen Behauptungen bislang unwidersprochen und wurden gar am 22. Februar 2001 entgegen besseren Wissens vom gleichen Autor fast wörtlich wiederholt. Auch im Spiegel 22/2001 (Autorin: Karen Andresen) findet der Leser diese wieder.
Zum Zeitpunkt des Abschlusses des notariellen Kaufvertrages vom 8.8.1991 (UR 310/1991) hatte die Kommune die Rückübertragung des Grund und Bodens zwar beantragt. Die Entscheidung war jedoch bis dahin noch nicht gefallen. Und so wurde dies im Kaufvertrag berücksichtigt (Ziffer 2): "Ungeachtet der geltend gemachten Rückübertragungsansprüche sind sich die Parteien darüber einig, daß als Kaufpreis für den übertragenen Grundbesitz nebst aufstehenden Anlagen und allem Zubehör ein Betrag von 1.500.000 DM zu zahlen ist. Sollte sich im nachhinein herausstellen, daß Rückübertragungsansprüche als solches nicht bestehen, soll eine Erhöhung des Kaufpreises dennoch nicht erfolgen."
Der geforderte Preis für das erst 1983 für 11 Millionen Mark der DDR fertiggestellte Heizhaus leitete sich von einer Zusammenstellung der Zeitwerte per 1.7.1990 und 30.6.1991 ab (liegt dem Autor vor). Für den 30. 6. 1991 wurden 2.034.083 DM für Gebäude, bauliche Anlagen, technische Anlagen, Maschinen und Betriebsausrüstung ermittelt, darin enthalten 503.300 DM für Grund und Boden. Daß die Stadt dafür später sogar Grunderwerbsteuer bezahlen mußte, liegt in der "Logik" unserer Steuergesetzgebung begründet.
Fritz Janczikowski war zum Zeitpunkt der Verkaufsverhandlungen (ununterbrochen seit Gründung der GmbH) durch die Treuhand als Geschäftsführer der Strausberger Milchwerk GmbH angestellt. Ab 1.10.1991 wurde er mit der Sonderaufgabe "Leiter der Abwicklung" betraut (Schreiben der Treuhand vom 15.10.1991 liegt dem Autor vor). Die Anstellung war "befristet bis zum 31.12.1991, längstens bis zur Löschung der GmbH im Handelsregister". Zusätzlich erklärte sich die Treuhandanstalt damit einverstanden, daß er gleichzeitig "die Tätigkeit eines Niederlassungsleiters der Meierei-Zentrale Berlin" übernahm.
Das in den Medienveröffentlichungen weitergegebene "innige Verhältnis" des Bürgermeisters Jürgen Schmitz zu Fritz Janczikowski könnte man unter "Sender Jerewan" abhaken: Im Prinzip ja, doch es endete bereits am 5.6.1980 per Aufhebungsvertrag, keineswegs auf freundschaftlicher Basis (letzter Arbeitstag war der 31.8.80). Seitdem weder beruflicher noch privater Kontakt!
Genau so die Fakten zum privaten Grundstückskauf. Im Prinzip ja, aber nicht zwei, sondern eines von rund 850 m² Größe, einschließlich der darauf befindlichen Werkswohnung. Fritz Janczikowski bewohnt sie seit über 25 Jahren. Und auch nicht vom Heizhausgelände abgeteilt, sondern von der Meierei-Zentrale GmbH Berlin erst 1995 dem Verkehrswert entsprechend erworben. Dieser Kauf kam erst zustande, nachdem sich die ursprünglichen Pläne, wonach auf diesem Gelände eine Fruchtsaftanlage errichtet werden sollte, zerschlagen hatten.
Übrigens: Das gegen Fritz Janczikowski gerichtete Ermittlungsverfahren wurde (Schreiben vom 19.6.2001) eingestellt.
Daß hier Menschen Unrecht geschah, ist die eine Seite. Andererseits wurde das Image der Stadt Strausberg nach dem Muster "Sebnitz" weltweit auf Dauer geschädigt. Und das ist nicht wiedergutzumachen.