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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2000
BAB LokalAnzeiger am Mittwoch 1/2000:

Alles bleibt beim Alten

An welchem Tag beginnt eigentlich die Woche? Eine komische Frage, meinen Sie? Wir kommen darauf zurück.

Nun hat die Welt den "Sprung ins Jahr 2000" geschafft. Und sie ist nicht untergegangen. Warum sollte sie auch? Nicht eine einzige Sekunde unseres Lebens haben wir als Sprung erlebt. Ist doch die Zeitrechnung willkürlich geschaffen. Genau so, wie festgelegt wurde, daß bereits das dritte Jahrtausend begonnen hätte.

Es müssen sich nur ausreichend viele (am besten die Mehrheit und der Bundeskanzler) einig sein, dann wird der größte Unsinn plötzlich mit Sinn erfüllt. Es war wohl Unsinn, damit zu rechnen, daß die Menschen bereit wären, nur wegen der neuen Zahl Unsummen Geldes auszugeben, um den Jahrtausendbeginn zu feiern.

Als ich geboren wurde, schrie ich in das erste Lebensjahr. Ein Jahr alt wurde ich erst am Ende des zwölften Monats. Jetzt bin ich im 50. Lebensjahr, 50 Jahre alt werde ich erst am 28. Oktober. Unsere Zeitung ist im 11. Jahrgang. 10 Jahre alt wird sie erst am 25. Januar.

Gewöhnlich beginnen wir das Zählen mit der EINS. Ansonsten wäre das kleinste Datum der Nullte Nullte Null, Null Stunden, Null Minuten, Null Sekunden, Null Millisekunden usw.

Null heißt NICHTS, außer sie wird von einer EINS angeführt. Dann sind Nullen durchaus angenehm, insbesondere wenn sie den Besitzer reich machen. Doch dafür wiederum muß man etwas tun. Selbst beim Lottospielen – obwohl man hier eher gegen NULL als MILLION strebt.

Wer erhoffte, daß jetzt alles anders und viel leichter gehen wird, nur weil das Datum hinten auf 2000 steht, wird enttäuscht. Ohne Fleiß kein Preis. Manchmal trotz Fleiß kein Preis...

Bei den Nord-Amerikanern steht übrigens die 2000 beim Datum vorn und bei denen beginnt die Woche am Sonntag. Und so wird es wohl bleiben.

Alles bleibt beim Alten – wenn wir es nicht selbst ändern ... Vielleicht beginnen wir ja nun bei NULL.

Dr. Ralph Donath