[Kolumnen
2000]
[zurück]
Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2001
BAB LokalAnzeiger zum Wochenende 5/2001:
Unrealistische
Wunschvorstellung
Männer des Jahrgangs 1980, die in ihrem Arbeitsleben eine Million
Mark in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen, erhalten im Alter
dafür lediglich 500.000 DM zurück.
Die
Öffentlichkeit wird mit dem sogenannten "Eckrentner" getäuscht.
Diese statistische Kunstfigur mit 45 Jahren Arbeitszeit und stets
durchschnittlichem Einkommen liegt bereits heute deutlich über dem
Durchschnitt. In der Vergangenheit habe die durchschnittliche Arbeitszeit
lediglich bei 37 Jahren gelegen, kritisierte der Bonner Rentenexperte
Meinhard Miegel. Daraus ließe sich schließen, daß das Rentenniveau
real auf 50 % sinken werde. Noch schlimmer sehe die Situation bei
den Frauen aus. Eine deutsche Frau arbeitet im Schnitt 26 Jahre.
Die
Bundesregierung hat sich von der Legende einer lebensstandardsichernden
Rente endgültig verabschiedet und verweist nun auf die notwendige
private Vorsorge. Doch die sogenannte Rentenreform von Bundesarbeitsminister
Walter Riester wird nur von kurzem Bestand sein.
Die
angestrebte Begrenzung des Rentenbeitragssatzes auf 22 Prozent sei
aus Sicht der Wirtschaft im Vergleich mit anderen Ländern immer
noch zu hoch, erklärte der Präsident des Deutschen Industrie- und
Handelstages (DIHT), Hans Peter Stihl. "Wir halten nach wie vor
daran fest, daß die Belastung die Marke von 20 Prozent auf gar keinen
Fall überschreiten darf."
Ohne
Bundeszuschüsse lägen die Beitragssätze allerdings heute bereits
bei 27,5 Prozent und würden nach der Reform im Jahr 2020 unter optimistischen
Annahmen bei 28 Prozent liegen, errechnete Rentenexperte Miegel.
Im Jahr 2030 könnten es bereits 31 Prozent sein.
Auf
Dauer werden die Beitragszahler wohl nicht hinnehmen, daß sie jede
Beitragsmark halbieren müssen und nur noch über die Hälfte verfügen
dürfen. Wann also kommt die nächste Rentenreform?
Dr. Ralph Donath |