Wenn man mit Unternehmern zusammenkommt -
und dazu gab es bei den Neujahrsempfängen im Januar genug Möglichkeiten
- hört man so manche Geschichte, die das Leben schrieb. Einesteils
reizt den Erzähler, der in den Ansprachen so viel gutes vom Tun
der Verwaltung hört, sein Gegenbeispiel zum Besten zu geben, andererseits
möchte er helfende Kritik loswerden, die über den Umweg der Zeitung
an die richtige Adresse kommt.
Da hörte ich von einem Gastwirt, der gerade
eine neue Existenz aufbaut, wie ihm zum vorigen 1. Mai widerfuhr:
Ein Gewerbeamtsleiter habe seine Küche begutachtet und festgestellt,
daß ein Spülbecken nicht mit den richtigen Schrauben befestigt war.
Besagter Gastwirt hatte bereits seit Tagen nach den speziellen Befestigungen
gesucht und manchen Baumarkt durchforstet. So war ihm zunächst nur
ein Provisorium gelungen. Doch der Gewerbeamtsleiter ließ keine
Entschuldigung gelten. Er gab eine zweistündige Frist zum Abstellen
der Kalamität. Diese kurze Frist war notwendig, da Freitag schließlich
"nach eins jeder seins mache".
Nun wurde es für unseren Neueinsteiger ziemlich
knapp. Schließlich wollte er ja zum Wochenende und zum Feiertag,
der auf den folgenden Montag fiel, sein Eröffnungsgeschäft machen.
Und wie das Schicksal es wollte - er kam erst nach 13 Uhr wieder
zurück.
Da war der Amtmann bereits im Wochenende.
Eine vorläufige Erlaubnis zum Eröffnen gab es nicht. Von dem geschäftlichen
Verlust hätte der junge Gastwirt nicht nur Kästen voll Schrauben,
sondern auch einen Klempner bezahlen können (der dann diese Befestigung
hoffentlich gehabt hätte).
Den Amtmann störte seine Hartherzigkeit nicht.
Er kam gar zur verspäteten Eröffnung. Von einer herzlichen Begrüßung
konnte allerdings keine Rede sein...
Ein anderer Fall: Als die Raumausstatterin
erfuhr, daß genau am Tage ihrer angemeldeten Gardinen-Aktion auch
im "Klub am See" durch einen Wandergewerbetreibenden ein gleichartiger
Sonderverkauf stattfinden sollte, wollte sie im Gewerbeamt Auskunft
und Abänderung erreichen. Der verantwortliche Verwaltungsangestellte
antwortete, daß nun leider sein Feierabend angebrochen, er auch
am nächsten Tage und überhaupt nach dem Wochenende die erste Wochenhälfte
nicht zu erreichen wäre. Sie könne frühestens am Donnerstag eine
Antwort erhalten.
Dann allerdings wäre die Verkaufsveranstaltung
bereits gelaufen, antwortete sie. Und ob er denn nicht wüßte, daß
er als Kommunalangestellter von ihren Steuern lebe. Dafür könne
sie auch einen gewissen Einsatz erwarten.
Da antwortete er: "Ich bekomme mein Geld vom
Bürgermeister!" - Über so viel Naivität verschlug es der Raumausstatterin
die Sprache. Doch jetzt gebraucht sie oft dieses geflügelte Wort,
wenn jemand seine Eigenverantwortung nicht wahrnimmt: "Du bekommst
wohl Dein Geld auch vom Bürgermeister?"
Dr. Ralph Donath