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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2001
BAB LokalAnzeiger zum Wochenende 6/2001:

Geld vom Bürgermeister

Wenn man mit Unternehmern zusammenkommt - und dazu gab es bei den Neujahrsempfängen im Januar genug Möglichkeiten - hört man so manche Geschichte, die das Leben schrieb. Einesteils reizt den Erzähler, der in den Ansprachen so viel gutes vom Tun der Verwaltung hört, sein Gegenbeispiel zum Besten zu geben, andererseits möchte er helfende Kritik loswerden, die über den Umweg der Zeitung an die richtige Adresse kommt.

Da hörte ich von einem Gastwirt, der gerade eine neue Existenz aufbaut, wie ihm zum vorigen 1. Mai widerfuhr: Ein Gewerbeamtsleiter habe seine Küche begutachtet und festgestellt, daß ein Spülbecken nicht mit den richtigen Schrauben befestigt war. Besagter Gastwirt hatte bereits seit Tagen nach den speziellen Befestigungen gesucht und manchen Baumarkt durchforstet. So war ihm zunächst nur ein Provisorium gelungen. Doch der Gewerbeamtsleiter ließ keine Entschuldigung gelten. Er gab eine zweistündige Frist zum Abstellen der Kalamität. Diese kurze Frist war notwendig, da Freitag schließlich "nach eins jeder seins mache".

Nun wurde es für unseren Neueinsteiger ziemlich knapp. Schließlich wollte er ja zum Wochenende und zum Feiertag, der auf den folgenden Montag fiel, sein Eröffnungsgeschäft machen. Und wie das Schicksal es wollte - er kam erst nach 13 Uhr wieder zurück.

Da war der Amtmann bereits im Wochenende. Eine vorläufige Erlaubnis zum Eröffnen gab es nicht. Von dem geschäftlichen Verlust hätte der junge Gastwirt nicht nur Kästen voll Schrauben, sondern auch einen Klempner bezahlen können (der dann diese Befestigung hoffentlich gehabt hätte).

Den Amtmann störte seine Hartherzigkeit nicht. Er kam gar zur verspäteten Eröffnung. Von einer herzlichen Begrüßung konnte allerdings keine Rede sein...

Ein anderer Fall: Als die Raumausstatterin erfuhr, daß genau am Tage ihrer angemeldeten Gardinen-Aktion auch im "Klub am See" durch einen Wandergewerbetreibenden ein gleichartiger Sonderverkauf stattfinden sollte, wollte sie im Gewerbeamt Auskunft und Abänderung erreichen. Der verantwortliche Verwaltungsangestellte antwortete, daß nun leider sein Feierabend angebrochen, er auch am nächsten Tage und überhaupt nach dem Wochenende die erste Wochenhälfte nicht zu erreichen wäre. Sie könne frühestens am Donnerstag eine Antwort erhalten.

Dann allerdings wäre die Verkaufsveranstaltung bereits gelaufen, antwortete sie. Und ob er denn nicht wüßte, daß er als Kommunalangestellter von ihren Steuern lebe. Dafür könne sie auch einen gewissen Einsatz erwarten.

Da antwortete er: "Ich bekomme mein Geld vom Bürgermeister!" - Über so viel Naivität verschlug es der Raumausstatterin die Sprache. Doch jetzt gebraucht sie oft dieses geflügelte Wort, wenn jemand seine Eigenverantwortung nicht wahrnimmt: "Du bekommst wohl Dein Geld auch vom Bürgermeister?"

Dr. Ralph Donath