Von unserer Reisegruppe haben sechs Leute storniert und entsprechend Gebühren bezahlt. Gebucht hatten wir im Februar, denn Herbstferientermine sind rasch ausverkauft. Auch die bis 30 Prozent herabgesetzten Ferien-Plätze wurden wir nicht los. Unser Reiseziel war Tunesien – Nordafrika. Die Angst vor einer Flugzeugkatastrophe geht um. Schließlich haben radikal-islamische Führer den Heiligen Krieg ausgerufen.
Jetzt ist alles verdächtig. Daß immense Aufwendungen getroffen werden, um Anschläge jeder Art zu vermeiden, scheint die Menschen wenig zu beruhigen. Es wird mit chemischen und biologischen Kampfmitteln gerechnet.
In Berlin wurde ein Lichtmast großräumig abgeschottet, weil da ein Briefumschlag hing. Große Briefumschläge sind jetzt sehr verdächtig. Insbesondere, wenn darauf steht: „Ein Blick in diesen Briefumschlag kann ihr ganzes Leben verändern!“
Die Polizei holte einen Spezialisten, der den Inhalt untersuchte. Im Briefumschlag befanden sich Zettel mit einer Telefonnummer und dem Hinweis, daß man sich hier melden solle, wenn man Traumverdienste nebenbei machen wolle: „Keine Versicherung, kein Außendienst!“ Lebensgefährliche Bakterien fanden sich nicht. Was der Einsatz kostete, ist unbekannt.
Leute mit düsteren Gedanken oder rabenschwarzem „Humor“ weiden sich daran, bewußt Fehlalarm zu erzeugen und die Öffentlichkeit zu schockieren.
Wie bei Kindern funktioniert die „Angst vorm Schwarzen Mann“ nur bei dem, der dran glaubt. Angst wiederum ist auch bei Erwachsenen „Wissen um die Gefahr“. – Leider ersetzen viele Wissen durch Glauben. Wissen könnten die Medien vermitteln. Mißt man deren Anstrengungen im Fernsehen daran, welche Beiträge in welcher Form ausgestrahlt werden, kommt man zu der Überzeugung, daß sie an Wissensvermittlung kein Interesse haben. Grauen und Horror, schwerste Kriminalität und Menschenverachtung sind „marktfähig“, bringen Einschaltquoten. Und mit diesen lassen sich Werbemillionen verdienen. Nur die Zuschauer selbst könnten dies ändern...
Was der liebe Gott vom Geld hält,
kann man an den Leuten sehen, denen er es gibt.
Peter Bamm