Auf meinen Grundstück bemerkte ich hin und wieder ein Reh. Das Grundstück ist eingezäunt, ohne Lücke und hat keinen offenen Zugang zu meinem angrenzenden Hausgrundstück. Das Reh mußte über den Zaun gesprungen sein. Später wurde mir klar, weshalb das Reh da war. Es war eine Ricke, die einen ruhigen Platz suchte, um ihre Kitze abzusetzen. Der Lebensraum der Wildtiere ist durch die neue Siedlung mit 60 Häusern eingeschränkt und so fand sie auf meinen naturbelassenen Grundstück (2000 m²) eine Zuflucht. Was konnte ich tun mit 1 Ricke und 2 Kitzen? Ich suchte Rat bei einem ehemaligen Jäger dessen Sohn Forstmeister ist. Ich lernte, daß Rehe Salz bräuchten, kein Heu fressen usw. Es kam der heiße Sommer die Vegetation vertrocknete, ich konnte die Rehe nicht verhungern lassen. Ich bin 79 Jahre alt, alleinstehend, 2 Wirbelsäulenbrüche, darf weder Rad fahren noch ein Auto führen, so haben mich meine hilfsbereiten Nachbarn unterstützt, das Futter herbei zu schaffen. Inzwischen hatte ich herausbekommen, wer der zuständige Jagdpächter ist, der ließ mir bestellen, ich sollte das Tor öffnen dann würde die Ricke ihre Kitze hinausführen. Das Tor führt aus eine befahrene Straße, auch führen die Leute dort ihre Hunde aus. Da die Rehe vor Menschen– auch vor mir– flüchten, blieben sie. – Nun kam am     15. Feb. der Vorsitzende des Jagdverbandes Herr Rocho, und erklärte, es hätte mich jemand angezeigt weil ich widerrechtlich Rehe halte. Er untersuchte mein Grundstück, fand jedoch keine Rehe. Die Ricke, die vor allem Fremden flüchtete, war unbemerkt mit dem größeren Kitz über den Zaun gesprungen und verschwunden. Zurück blieb das kleinere Kitz, das noch nicht stark genug war. Herr Rocho beschloß, am übernächsten Tag mit mehreren Leuten wiederzukommen, um die Rehe vom Grundstück zu treiben. Die Ricke kam nach einen Tag zurück um das 2. Kitz zu holen. Ich hatte das Tor geöffnet. Die Jäger kamen aber auch und auf das bitten meines Nachbarn, noch etwas zu warten bis die Ricke auch das 2. Kitz hinausgeführt hätte, gingen sie  nicht ein– sie müßten der Anzeige nachgehen. Der Nachbar widersetzte sich, als er seinen Hund zur Hetze einsetzen sollte. So trieben sie und so unprofessionell. Daß sich die Ricke im Zaun verfing und so schwer verletzte, daß sie abgestochen werden mußte. Das kleine verschwand blutend über Nachbars Zaun. – Ich bin unendlich traurig und entsetzt über diese Verfahrensweise, als auch mein Nachbar dies rügte, drohte man ihm mit der Polizei.– Was hat dieser Mensch, der Mich anzeigte nun erreicht ? Er hätte zu mir kommen sollen, ich hätte ihm gerne die näheren Umstände erklärt. Hoffentlich erfährt er, was er angerichtet hat. Deshalb schreibe ich dies. Es Soll keine rührselige Geschichte einer alten tierlieben Frau sein.

 

Angelika Massino