Antwortbrief zum „Kürzel BRD“ an Herrn Dr. Donath

 

Guten Tag Herr Dr. Donath,

 

schade, dass zum Kürzel „BRD“ von Ihnen  persönlich leider nichts weiter ausgesagt wird, dafür jedoch stellvertretend „Wikipedia“ empfohlen wird (hier steht übrigens nichts!), um sich dann sogar noch mit dem seit Jahren bekannten und daher von mir beinahe erwarteten, jedoch völlig unakzeptablen „Platzspar-Pseudoargument“ zu erklären. Meinen Sie nicht, sich die Sache auf diese Weise ein wenig sehr leicht zu machen? Muss ich denn erst „Wikipedia“ bemühen, um unser Land korrekt zu bezeichnen und nicht mit einem so deutschlandfeindlichen Kürzel zu versehen? Wenn man wirklich etwas nicht aussagen will, findet man immer einen Weg. Ihr „BRD“ steht eben leider nicht nur auf einem Stück privatem Briefpapier; – es findet tausendfach Verbreitung….und darin liegt das eigentliche Dilemma.

Hätten Sie nämlich ein „D“ verwendet, wäre Platz in wahrhaft sinnvoller Weise „gespart“ worden!

 

Einen guten Rutsch nach 2010 wünscht

 

 

Knut Herold

 

 

 

 

 

Antwort Dr. Donath

 

Herzlich Willkommen im neuen Jahr!

 

Eigentlich hatte ich nicht vor, eine derartig grundsätzliche Diskussion zum Kürzel BRD zu führen. Da Sie aber die Benutzung "deutschlandfeindlich" empfinden, mir geradezu derartige Absicht unterstellen, möchte ich Sie beruhigen: Derartige Gedanken sind mir fremd. Wenn Sie dies anders empfinden, dann sollen Sie dies tun. Auch wenn ich es anachronistisch empfinde. Vielleicht hat das den Ursprung in Ihrem eigenen Erleben oder Ihrer Erziehung. Wie kann Umgangssprache „korrekt“ sein?

 

Hier nun doch Passagen, die Sie im Internet googeln können:

 

Nach Gründung der Bundesrepublik wurde die Abkürzung BRD dort zunächst wertfrei verwendet. Anfang der 1970er-Jahre begann eine Kontroverse um die Abkürzung, als in einigen Bundesländern der Gebrauch untersagt wurde, da sie als „kommunistische Erfindung“ und „Agitationsformel“ verfemt sei. Seit dem 4. Oktober 1976 gibt es z. B. einen Erlass der Schulbehörde Schleswig-Holstein, der die Abkürzung BRD für nicht „wünschenswert“ erklärt. Die Schreibweise „BRD“ wurde bis in die 1990er-Jahre hinein an einigen westdeutschen Schulen als Schreibfehler gewertet. Die amtliche Auffassung zu „BRD“ ist einer der wenigen Fälle, in dem auf diese Weise direkt in den bundesdeutschen Sprachgebrauch eingegriffen wurde.

 

In der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Bundesrepublik in den ersten beiden Jahrzehnten der deutschen Teilung meist Westdeutschland genannt. Die SED-Führung vermied damit die amtliche Bezeichnung Bundesrepublik Deutschland. Seit 1968 (mit dem Inkrafttreten der neuen DDR-Verfassung) wurde in der DDR für die Bundesrepublik neben der Bezeichnung Bundesrepublik Deutschland verstärkt die Abkürzung BRD verwendet. Dies sollte die Gleichberechtigung der beiden Staaten ausdrücken, aber die Bezeichnung verbreitete sich auch im allgemeinen Sprachgebrauch.

 

Vereinzelt wird heute noch von Rechtsextremisten wie Horst Mahler sowie Nationalisten die Abkürzung BRD im Sinne politischer Agitation verwendet, um darzustellen, dass die Bundesrepublik Deutschland aus ihrer Sicht zum einen nur einen Teil Deutschlands (jenes in den Grenzen von 1937) beinhalten würde.

 

Seit dem Ende des Kalten Krieges Ende des 20. Jahrhunderts und mit der Deutschen Wiedervereinigung hat die Diskussion um die Abkürzung BRD ihre Brisanz verloren. So setzt der Duden seit den 1990er-Jahren „BRD“ mit „Bundesrepublik Deutschland“ gleich, während er zu Zeiten des Kalten Krieges noch darauf bestand, dass es sich um eine „nichtamtliche Abkürzung“ handelte.

 

Seit den 1990er-Jahren verwendet die dem Bundesministerium des Innern unterstellte Bundeszentrale für politische Bildung in Veröffentlichungen zuweilen die Abkürzung BRD. Teilweise wird die Abkürzung auch in den Medien verwendet, z. B. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Frankfurter Rundschau oder dem Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/meinung/leserbriefe/Leserbriefe;art144,1884979) auch wenn sie sich inzwischen auf das wiedervereinigte Deutschland bezieht.

 

Die Verwendung des „D“ als Abkürzung für Bundesrepublik Deutschland ist lediglich als Kfz-Nationalitätszeichen und zivile Luftfahrzeug-Kennung gebräuchlich.

 

International waren und teilweise sind die entsprechenden Abkürzungen wie FRG (für Federal Republic of Germany) im Englischen und RFA (République Fédérale d’Allemagne) im Französischen üblich. Die russische Abkürzung ФРГ (für Федеративная Республика Германия, Federatiwnaja Respublika Germanija) ist auch heute noch sehr gebräuchlich.

 

 

Mit sonnigen Grüßen aus Wilkendorf

 

Dr. Ralph Donath