Kritik an Verwendung des
Kürzels „BRD“
Kolumne „Wem gehört die
BRD“? , BAB - Ausgabe 51.KW
Sehr geehrter Herr Dr.
Donath,
ganz sicher haben Sie die
Wirkung so nicht gewollt, doch wenn ich
Ihnen nun einiges zu diesem Thema verdeutliche, wird hoffentlich klar, dass in
der Drei-Buchstaben-Konstellation „BRD“ viel mehr Inhalt steckt als vermutet.
Nicht jeder liest derart aufmerksam und findet Anstoß, doch Sie sehen ja, dass
die Darstellung Ihrer 51. BAB-Ausgabe nicht unwidersprochen hingenommen wird. Weshalb
Sie nun unser Land - völlig ohne Not -
überhaupt mit diesem Kürzel versehen, ist mir unklar. Dies um so mehr, da Sie
wiederum im gesamten Inhalt stets ganz korrekt von der „Bundesrepublik
Deutschland“ sprechen. Entscheidend bei einer Leserwirkung - dies gilt
allgemein - ist das Schlagzeilenhafte, -das Plakative !
Die Buchstabengröße und blaue Farbe „erledigen“ noch den Rest. Primär ist erst
einmal alles erreicht. Wer dann tatsächlich den eigentlichen Inhalt der Kolumne
liest, wird zwar im Verlauf durch korrekte Bezeichnung „entschädigt“ , doch das
Plakat „BRD“ prangt noch immer voller Größe vor dem Auge des Betrachters. Wer
aber liest heute schon derart intensiv das Kleingedruckte …nach einer Überschrift ?!
Folgendes möchte ich Ihnen
nun zu dem Thema sagen: Ich möchte dabei
voranstellen und betonen, dass mir nicht an Konfrontation, sondern an Dialog
liegt, dass ich Sie auf keinen Fall persönlich angreifen oder gar beleidigen
möchte. Es geht schlichtweg um die Sache !Als ich
dieses „BRD“ Ihres Artikels derart schlagzeilenhaft vor mir sah, glaubte ich im
ersten Augenblick an einen Scherz, der sich schnell auflösen würde. Doch je
weiter ich las, …..das „BRD“ blieb und veränderte sich nicht. Ich wurde
unverzüglich an alte Zeiten erinnert und muß an dieser Stelle fragen, ob Sie
nicht bereits jetzt ebenfalls in meine kritische Richtung blicken
? Ist Ihnen nicht bewusst, dass die Bezeichnung „BRD“ - in welcher Form
auch immer verwendet - einmal mehr Zündstoff für etwas liefert, was von der
Zeit längst überholt zu sein schien ? Ob leichtfertig,
naiv, bewusst oder unbewußt, - in jedem Fall ist an dieser Stelle wieder Wasser
auf die Mühlen neuerlicher DDR-Nostalgie gegossen worden. Ich finde, -so etwas
muß doch nicht aus der Versenkung geholt und durch Gedankenlosigkeit wieder
hoffähig gemacht werden. Dieses „BRD“ hat diffamierenden und negierenden
Charakter zugleich. Der Stammbegriff „Deutschland“ entfällt spielerisch (genau
wie es die DDR immer propagierte ! ) , „Deutschland“
wird zur Hülse und inhaltlich verkommt das Land zum Kürzelstaat „Bee...Ärr…Dee
!! Verzeihen Sie, wenn ich an dieser Stelle die so sensible Grenze zur
Unhöflichkeit dennoch berühre, denn mit einigermaßen Kenntnis der
hintergründigen Bedeutung dieses Kürzels wäre Ihnen die Verwendung wohl nicht
so leichtfertig und sorglos zustande gekommen.
Sie selbst wissen um die Kraft des Wortes -
zumal in Form tausendfacher Vervielfältigung und Weitergabe ;
ich nenne daher die Anwendung des Kürzels grundsätzlich sehr leichtfertig. Ich
hätte niemals angenommen, dass dieses politisch äußerst brisante Kürzel vom
Herausgeber einer Zeitung sprachlich überhaupt noch im Repertoire platziert
ist. Ob nun bewusst oder unbewußt naiv verwandt, - dies ist jetzt gar nicht
mehr entscheidend - , denn so etwas bleibt stehen. Es
steckt bereits in den Hirnen und ist nicht mehr änderbar. Wir sollten uns
jedoch alle darum bemühen, die zarte Pflanze „Deutsche Einheit“ eleganter
zusammenwachsen lassen und nicht noch zusätzliche Hürden …..auch
noch neu aufbauen. Nun möchte ich die Sache nicht aufbauschen, doch eine
Erklärung für den sorglosen Umgang mit dem Kürzel hätte ich schon sehr gern.
Steckt wahrlich nur Naivität und unbewußte Leichtfertigkeit dahinter oder habe
ich mich in dieser Hinsicht gar völlig getäuscht ?
Mit freundlichen Grüßen
Knut Herold