M e i n  W a h l v e r h a l t e n - Eine Systemanalyse –

 

Es soll Menschen geben, die bei Wahlen nicht so recht wissen, wem sie ihre Stimme geben, sich aber sehr sicher sind, wem sie ihre Stimme nicht geben werden.

Gehören Sie auch dazu?

Hier ein helfender Tip zum Zurechtfinden und eine konkrete Empfehlung für das persönliche Wahlverhalten.

 

Allgemeine Hintergrundbetrachtung

 

Professionelle Politiker sehen sich als Führungselite und unterliegen nach eigenen Angaben den Faszinationen, die von der staatlichen Machtausübung ausgehen, zumal diese mit komfortablen Diäten bedacht ist.

Sie organisieren sich in Parteien mit scheinbar entgegengesetzten Interessen, begründen als versierte Rhetoriker die lautere Volksverbundenheit ihrer Absichten und legitimieren diese juristisch durchsetzbar in Gesetzen oder Verfügungen.

Um professionelle Politiker bleiben oder werden zu können führen sie - natürlich auf gesetzlicher Grundlage - von Zeit zu Zeit Wahlen durch, bei denen sich die wahlberechtigten Bürger für die einen oder die anderen Parteien als Volksvertreter entscheiden dürfen.

Die Wähler werden damit zu ideologischem Positionsdenken veranlaßt, das für ihr tägliches Leben weitgehend bedeutungslos ist.

Trotzdem werden die Wahlergebnisse immer als demokratisch ermitteltes Wollen des Volkes interpretiert und als politischer Wählerauftrag hingestellt.

Darüber sind viele wahlberechtigte Bürger insofern frustriert, als ihre Auffassungen nur dann akzeptiert werden, wenn sie mit denen der ideologisch motivierten Parteien übereinstimmen.

Ist das nicht der Fall, bestehen für sie keine nennenswerten Chancen, das politische Handeln der Volksvertreter in

ihrem Sinne zu beeinflussen, sie haben keine Lobby.

Frustriert gehen sie nicht zur Wahl, "denn die da oben machen ja doch nur, was sie wollen". Damit erleichtern sie aber den etablierten Parteien unbeabsichtigt, aus den abgegebenen Stimmen für sich günstige Prozentpunkte zu errechnen.

Das ist die fatale Konsequenz, die sich für die "Partei der Nichtwähler" aus ihrem Fernbleiben' bei Wahlen ergibt.

Hauptursache dafür, daß "die da oben machen können, was sie wollen", ist leider das fehlende Gegengewicht der nicht abgegebenen sowie der ungültigen Stimmen gegenüber den in das Wahlergebnis eingehenden gültigen Stimmen.

Die Nichtwähler liefern also genau denen, denen sie ihre Stimme niemals geben würden, leichtfertig Prozentpunkte und damit politischen Einfluß!

 

E m p f e h l u n g

 

Da Wahlergebnisse immer als politisches Votum des Volkes interpretiert werden, können Sie als wahlberechtige Bürger Ihre politische Haltung nur einbringen, indem Sie

1. sich an der Wahl durch Abgabe gültiger Stimmen beteiligen s o w i e

2. solche Parteien oder Personen wählen, die Sie sich als Volksvertreter wünschen o d e r

3. bei Ablehnung der Politik etablierter Parteien Ihre Stimmen kleineren Mitbewerbern geben.

Damit verankern Sie Ihre politische Haltung im offiziellen Wahlergebnis und bringen sie wirksam zur Geltung.

Die von den etablierten Parteien erreichbaren Prozentzahlen werden auf demokratische Weise in Ihrem Sinne beeinflußt, Ihre politischen Auffassungen erhalten das ihnen zukommende, bürgernahe Gewicht.

Außerdem können Sie auf diesem Wege parteiegoistisches, bürgerfremdes Machtstreben ein wenig ausbremsen.

Bitte, gehen Sie immer zur Wahl!

Die anliegenden Zahlenbeispiele belegen überzeugend, daß die Betrachtungsergebnisse rechnerisch abgesichert sind.

Sie widerspiegeln objektiv gegebene Zusammenhänge und begründen die Notwendigkeit, ausgeschriebene Wahlen als seltene Chance für die eigene Interessenvertretung zu nutzen.

Dr.-Ing. Ulrich Schlösser Berliner Str. 82

15344 Strausberg

14.07.2008

Vereinfachte Zahlenbeispiele

für ein fiktives Wahllokal mit eintausend Wahlberechtigten und sechs etablierten Parteien.

 

Um die angenommenen Prozentzahlen zu erreichen, würden bei 100%iger Wahlbeteiligung gültige Stimmen wie folgt erforderlich sein:

      CDU/CSU     40%   400

      SPD         26%   260

      Grüne       8%    80

      FDP         8%    80

      Linke       12%   120

      NPD         2%    20

      Sonstige    4%    40

                  100%  1000 Stimmen

 

Bei sinkender Wahlbeteiligung würden dieselben Prozentzahlen bereits durch wesentlich weniger gültige Stimmen erreicht:

 

T a b e l l e 1

 

      Wähler:                 1000  750   600   450

      Nichtwähler*:                250   400   550

      Wahlbeteiligung:       100%  75%   60%   45%

      Erforderliche Stimmen  

      CDU/CSU           40%   400   300   240   180

      SPD               26%   260   195   156   117

      Grüne             8%    80    60    48    36

      FDP               8%    80    60    48    36

      Linke             12%   120   90    72    54

      NPD               2%    20    15    12    9

      Sonstige          4%    40    30    24    18

*einschließlich ungültige Stimmen

 

Zum Beispiel benötigt die SPD hier für ihren Anteil von 26% bei einer Wahlbeteiligung von 100% 260 gültige Stimmen, bei 45% Wahlbeteiligung aber nur 117 gültige Stimmen.

 

Das prozentuale Gewicht jeder einzelnen Wählerstimme nimmt bei sinkender Wahlbeteiligung enorm zu!

Ebenso vermindert sich die Aussagekraft des Wahlergebnisses über den wahren politischen Willen der Bürger!

Alle Behauptungen, daß auf diese Weise ermittelte Wahlergebnisse dem politischen Willen der wahlberechtigten Bürger entsprechen, sind schlichtweg falsch!

 

Würden jeweils 100 der in Tabelle 1 betrachteten Nichtwähler zusätzlich zur Wahl gehen und ihre Stimmen den Splittergruppen geben, die unter "Sonstige" zusammengefaßt sind, ergäben sich bei völlig unveränderter Stimmenanzahl der Wähler für die etablierten Parteien nachstehende, aufschlußreiche Prozentpunkte:

 

T a b e l l e 2

                                  

Wähler:           1000       850         700         550

Nichtwähler* :                150         300         450

Wahlbeteiligung: 100%        85%         70%         55%

Gültige Stimmen und Prozentpunkte

      CDU/CSU     400:  40%   300=>35,3%  240=>34,3%  180=>32,8%

      SPD         260:  26%   195=>22,9%  156=>22,3%  117=>21,3%

      Grüne       80:  8%    60=> 7,1%   48=> 6,9%   36=> 6,5%

      FDP         80:  8%    60=> 7,1%   48=> 6,9%   36=> 6,5%

      Linke       120:  12%   90=>10,6%   72=>10,2%   54=> 9,8%

      NPD         20:  2%    15=> 1,8%   12=> 1,7%   9=> 1,6%

      Sonstige    40:  4%    130=>15,2%  124=>17,7%  118=>21,5%

*einschließlich ungültige Stimmen

 

Der hier für "Sonstige" betrachtete Stimmenzuwachs wirkt sich insbesondere als prozentualer Verlust bei den größeren etablierten Parteien aus.

Zum Beispiel kann die SPD mit den in Tabelle 1 bei 45% Wahlbeteiligung zu 26% führenden 117 gültigen Stimmen hier nur 21,3% erreichen.

 

B e w e r t u n g

 

Die Tabellen machen durch Zahlen erkennbar, was fast jeder gefühlsmäßig spürt: Die "Partei der Nichtwähler" kann keinen Einfluß auf die politische Praxis nehmen. Das bei der Wahl ermittelte zahlenmäßige Gewicht der etablierten Parteien ist für eine Bewertung der politischen Stimmung unter den wahlberechtigten Bürgern höchst fragwürdig.

Wenn wie bei diesem Beispiel nur 10% der wahlberechtigten Bürger zusätzlich zur Wahl gehen würden und ihre Stimmen auf Splittergruppen verteilen, könnten sie das offizielle Wahlergebnis in ihrem Sinne wirksam beeinflussen! q. e. d.