BAB Lokalanzeiger

Herrn Dr. Ralph Donath

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„Betrug ohne Reue“

 

Sehr geehrter Herr Dr. Donath,

 

Ihr Artikel hat mich berührt, weil mir bis auf Details und die Schadenshöhe das Gleiche passiert ist. Es gibt nur drei Gründe, einen Mieter ordentlich zu kündigen. Hier hat der Gesetzgeber eine Einbahnstrasse geschaffen, die mit Gleichbehandlung nichts mehr zu tun hat. Glück hatten wir beide offensichtlich damit, dass es keine „Mietnomaden“ waren, wo der Vermieter anschließend in die zur Müllkippe verkommene Wohnung ein kleines Vermögen stecken muss.

 

Zum „Betrug ohne Reue“, was mich in den letzten Jahren immer mehr beschäftigt, ist eine bei mir anwachsende Staatsverdrossenheit. Es sind nicht die Gesetze die bei uns nicht ausreichend wären sondern die Exekutive, die kläglich versagt.

 

Im August 2003, ich war gerade einige Monate von Frankfurt am Main nach Strausberg gezogen, überfiel mich völlig grundlos ein betrunkener 25 jähriger (mit „Migrationshintergrund“) in Gegenwart meiner Frau nachts auf der Bahnhofstraße in Strausberg. Er schlug mehrmals brutal auf mich ein und setzte ständig nach. Mein Ohr musste mit 4 Stichen genäht werden und ich hatte durch die bei Stürzen erlittenen Prellungen einige Wochen solche Schmerzen, dass ich nachts nicht schlafen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war ich 66 Jahre alt.

 

Dies kann natürlich immer wieder passieren. Schlimm ist, dass die Polizei nach erfolgtem Handyanruf erst ca. 25 Minuten später ohne Blaulicht vorbeikam. Ich musste sie auf meiner Flucht vor dem Täter auch noch anhalten. Auf die lange Wartezeit angesprochen behaupteten sie, es gäbe in Strausberg zwei Straßen an eben den zwei Bahnhöfen. Das ist natürlich völliger Quatsch, sie hätten einfach meine Handynummer, die nicht unterdrückt war, zurückrufen können.  Zur weiteren Tätersuche waren die Polizisten erst bereit, als die dazu herbeigerufene Verstärkung eingetroffen war. Der Täter wurde aufgrund unserer Beschreibung des Tatortes gefasst. Im Polizeiwagen musste sich ein stämmiger Polizist auf den Täter setzen, weil der sich dermaßen wehrte. Im Revier angekommen, mischte er noch die anwesenden Beamten auf und musste mit Gewalteinsatz wieder gefesselt werden.

 

Bis heute habe ich von der zuständigen Staatsanwaltschaft nicht ein einziges Stück Papier erhalten, wie die Sache ausgegangen ist. Ich erhalte lediglich in Raten von 50 ,- € meinen erlittenen Schaden vom Täter ersetzt – immerhin und so weit das möglich ist.

 

Nun aber zum eigentlichen Thema, den Betrug ohne Reue. Aufgrund meiner nachfolgenden Erlebnisse würde ich es in „Betrug ohne Folgen“  umbenennen.

 

Zufällig kontrollierte ich im Dezember 2005 meine (sehr geringen) T-Mobile - Handyrechnungen und stieß auf einen Posten der Firma „Zed Germany“, was mich stutzig machte. Bei der Telekom nachgefragt erhielt ich die Mitteilung, dass ich Klingeltöne abonniert hätte. Über die Richtigkeit dieses von mir angeblich geschlossenen Vertrages mit der Firma Zed könne sie hingegen keine Angaben machen, sie wäre im Gegenteil sogar verpflichtet bei Nichtzahlung bis zum Mahnbescheid gehen zu müssen. Ich solle mich gefälligst mit Firma Zed, die mir völlig unbekannt war, auseinandersetzen.  Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, dass ich meine infantile Phase schon bewältigt habe, der Klingelton der Telekom, den ich seit vielen Jahren habe, ist immer noch derselbe. Ein, von mir angeblich beauftragter Klingelton war übrigens ein „Froschorgasmus“!

 

Soweit nicht sonderlich interessant. Als ich dann hingegen die Foren der Zed – Geschädigten im Internet las, war mir klar, dass hier kriminelle Elemente, offensichtlich völlig unbehelligt, brutale Abzocke im großen Stile betreiben. Im ewig langen  Kampf unter Zuhilfenahme eines Anwaltes zwar mein eingezahltes Geld zurückerhalten, die Anwaltskosten waren aber höher.

 

Nun der aktuelle Fall, der kürzlich durch meine Unachtsamkeit beim Aufruf eines sonst völlig kostenlosen Tourenplanes entstand und ohne mein Wissen eine Rechnung von 59,95 € entstehen ließ. Man erklärte mir, dass die Einspruchsfrist von 4 Wochen nun abgelaufen wäre und damit hätte ich den Zugang zu diesem Dienst abonniert….

 

Die Foren über dieses obskure Unternehmen sollten Sie einmal lesen. Es betreibt zur Zeit wohl so etwa 5 solcher Abzockerfirmen. Die Geschäftsführerin ist eine Dame mit Wohnsitz in der Slowakei. Die Firma befindet sich in London…..Die Methode ist immer gleich. Leute werden in Seiten gelockt und ohne dass sie dies merken nach 4 Wochen mit Rechnungen in Höhe von etwa 60 ,- € bedacht.

 

Da gibt es inzwischen sog. Schwerpunkt Staatsanwaltschaften für Internetbetrug, eine davon mit Sitz in Cottbus. Unterziehen Sie sich einmal der Mühe, Kontakt mit denen aufzunehmen!

 

Was ich damit nur sagen und beweisen möchte, es existiert im Internet eine brutale Wirtschaftskriminalität, die für jeden, also auch die Strafverfolgungsbehörden, einsehbar ist. Diese Behörde ist sogar zur Strafverfolgung per Gesetz verpflichtet. Aber es geschieht nichts. Außer Wahlkampfparolen, die zu passender Zeit von Politikern aus dem Ärmel gezaubert werden. Also,  Betrug ohne Folgen, aber leider für die Betrüger,

 

freundliche Grüße aus Strausberg,

 

 

 

 

 

 

Henning Grünert