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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010

(Un)gleichheit (2)

Unserem Leser Reiner T. ging die Kolumne im vorigen BAB gegen den Strich: „Den VorkämpferInnen für die Gleichberechtigung der Frauen bleibt das Lesen der BAB zum Glück erspart, sie würden sich sonst möglicherweise im Grab umdrehen.

Da „zieht“ es also die jungen höher gebildeten Frauen meistens in typische Frauenberufe? Ist es aber nicht vielmehr so, dass in dieser von Männern dominierten Gesellschaft Frauen in diese Berufe gedrängt werden?

[...] Ihrer klischeehaften Charakterisierung weitergehender Unterschiede zwischen den Geschlechtern kann ich entnehmen, dass Sie sich das diesbezüglich vorherrschende Denkschema in diesem Land zu Eigen gemacht haben.“

Ich weiß, dass wie Reiner T. viele andere Leser die nackten Fakten des Statistischen Bundesamtes abwegig fi nden. Denn die Emanzipationsbewegung steckte immer in einem Dilemma: Sind Frauen den Männern gleich, können sie genau die gleiche Aufgaben auf die gleiche Weise erfüllen, ist also „weibliches“ Verhalten nur eine Erfi ndung der Männer, um Frauen als Konkurrentinnen fern zu halten? Oder sind Frauen ganz anders und deshalb den Männern überlegen? Dann wäre „Weiblichkeit“ ein Ideal, zu dem Männer erst erzogen werden müssen. Bedeutet aber Gleichberechtigung, dass Männer und Frauen tatsächlich gleich sind? Und wenn es Unterschiede gibt: Begründen Sie eine Überlegenheit eines Geschlechtes über das andere?

Genetisch ist der Mensch grundsätzlich als Frau angelegt. Nur wenn die Geninformation aus dem Y-Chromosom hinzukommt, entsteht ein Junge. Sind ein X- und ein Y-Chromosom vorhanden, erweist sich das Y-Chromosom jedoch als defekt, entwickelt sich ein Mädchen. Umgekehrt würde aber ein heiles Y-Chromosom allein nicht ausreichen, um einen gesunden Jungen zu bilden. Das männliche Geschlecht benötigt die Erbinformation beider Chromosomen. Aus diesem Grunde ist das männliche das störanfälligere Geschlecht, wie Mediziner schon lange wissen, angefangen von der höheren Säuglingssterblichkeit unter Jungen bis zu der geringeren Lebenserwartung von Männern (74 Jahre) im Vergleich zu Frauen (80 Jahre).

Beim Embryo wird die Entwicklung der Jungen durch männliche Geschlechtshormone, (Androgene wie Testosteron oder Androstendion), die der Mädchen durch weibliche Östrogene beein- fl usst. Es wäre daher nur logisch, wenn man später Unterschiede im Gehirn und damit im Bewusstsein fi nden würde. Bei Tests an Kindern und Erwachsenen ist es leider so gut wie unmöglich zu trennen, was von den Genen und was aus der Erziehung stammt. Dennoch sind einige Forschungsresultate ziemlich zuverlässig, die neben Tests auch Kulturvergleiche einbezogen haben.

Im Intellekt sind die durchschnittlichen Leistungen etwa identisch. Mädchen haben eine leichte Überlegenheit im sprachlichen und kreativen Bereich, Jungen bei abstrakten, mathematischen und logischen Aufgaben. Insgesamt ist die Bilanz aber ausgeglichen.

Anders sieht die Sache im Gefühlsbereich aus, der viel stärker von hormonellen Schwankungen abhängt als das reine Denken. Die eher weiblichen Tugenden Romantik und Zuwendung werden durch weibliche Hormone Progesteron und Östroradiol begünstigt. Frauen orientieren sich in der Tat als Kind im Spiel und später in der Berufswahl und in Moralfragen stärker an zwischenmenschlichen Aspekten als Männer.

Psychologen sehen weibliche Eigenschaften im Vorteil – es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Frauen die Macht übernehmen. Erziehung ist nach Angaben des Münchener Erziehungspsychologen Wassilios Fthenakis das entscheidende Kriterium, warum Männer etwa faktisch und Frauen emotional und sozial orientiert sind. Diese „Polarisierung“ in Familie und Schule mache Jungen zu Verlierern der Zukunft.

Dr. Ralph Donath