[Home]
[ zurück]
Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010

Vulkanstaub-Gefahr

Vulkanasche in der Atmosphärenschicht, in der Düsenmaschinen fliegen, könne zum Ausfall der Triebwerke führen, „die Turbinenblätter und Staudruckrohre beschädigen, und letztendlich zum Absturz des Flugzeuges mit vielen Toten führen“, hieß es in der Fachzeitschrift „Natural Hazards“ im vergangenen Jahr. Die Steigerung im Passagierverkehr um weltweit fünf Prozent pro Jahr, gepaart mit der Unvorhersehbarkeit von Vulkanausbrüchen machten die vulkanische Gefahr „zu einer bedeutenden Bedrohung der Gesellschaft“, warnte das Magazin.

Aus den vergangenen 20 Jahren sind 80 Vorfälle belegt, bei denen Flugzeuge durch Vulkanasche beeinträchtigt wurden. Zwei Boeings 747 mit jeweils fast 500 Menschen an Bord wären dabei nach Angaben von Experten fast abgestürzt, 20 weitere Flugzeuge erlitten Schäden mit Reparaturkosten von Hunderten von Millionen Euro.

„Meine Damen und Herren, hier spricht ihr Kapitän. Wir haben ein kleines Problem“, hieß es am 24. Juni 1982 über dem Luftraum Indonesiens. „Alle vier Triebwerke sind ausgegangen. Ich hoffe, Sie sind deswegen nicht allzu beunruhigt.“ Ein Jumbojet der British Airways flog auf dem Weg von London nach Auckland in Neuseeland in 11.000 Meter Höhe in eine Aschewolke des Vulkans Galunggang. Alle vier Triebwerke fielen aus, der Jet segelte zum Entsetzen der Passagiere Richtung Absturz. Erst in 4.100 Meter Flughöhe gelang es der Besatzung, die Motoren wieder zu starten. Per Hand manövrierte die Crew das Flugzeug auf einem grob berechneten Gleitstrahl zu einer Notlandung in Jakarta. Weil die Asche die Frontscheibe förmlich sandgestrahlt hatte, flogen die Piloten ohne Sicht.

1989 trudelte eine 747-Maschine der niederländischen Fluglinie KLM auf dem Flug nach Anchorage im US-Bundesstaat Alaska fünf lange Minuten mit 231 Passagieren an Bord ohnmächtig nach unten: Sie war in eine Aschewolke des Redoubt-Vulkans geraten, der zehn Stunden zuvor in 177 Kilometer Entfernung ausgebrochen war. Nach dem Neustart der Maschinen konnte das Flugzeug sicher in Anchorage landen. Die Reparaturkosten beliefen sich auf knapp 60 Millionen Euro, da alle vier Triebwerke ersetzt werden mussten.

Vulkan„asche“ besteht aus feinen Gesteinspartikeln (nicht aus organischen Verbrennungsrückständen): Kristalle, glasartige Mineralpartikel, Gesteinsfragmente. Die Teilchen, die mit dem Wind von Island bis nach Mitteleuropa getragen werden, sind zwischen einem Zehntel- bis Tausendstelmillimeter groß. Die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO betont, dass die extrem feine Asche auf normalen Wetterradars von Flugzeugen – anders als Wolken – nicht zu erkennen ist.

Vulkanologen haben keine Vorhersagemöglichkeiten. Flugausfälle sind nach Angaben des weltweit führenden Rückversicherers Münchner Rück kein versicherbares Risiko. „Die Luftfahrtunternehmen müssen die Kosten selber tragen“, hieß es. Kein Wunder also, wenn die für die Flugsicherheit Zuständigen sehr zögerlich handeln.

Airline-Chef Niki Lauda („Flyniki“), die Führung der Austrian Airlines (AUA) und auch Air-Berlin-Chef Joachim Hunold haben dagegen die Sperrung des österreichischen und deutschen Luftraums kritisiert. Die Flugunternehmer bezweifelten, dass die Vulkanstaub-Wolke aus Island drei Tage nach Ausbruch noch eine Gefahr für den Flugverkehr darstellte. Da jedoch vorhandene Messgeräte nicht einsatzbereit waren, konnte die Gefahr nur mit dem Computer simuliert werden ...

Dr. Ralph Donath