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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010
Hochspannung
Regenerative Energien aus Wind, Sonne und Erdwärme sind stark im Kommen. Per Gesetz
sind die Versorgungsunternehmen gezwungen, die erzeugte Energie abzunehmen. Problem: Der Strom
muss zum Abnehmer transportiert werden und die Leitungskapazitäten reichen nicht. Aus diesem
Grund müssen neue Trassen geschaffen werden.
Strom kann auf zweierlei Weise vom Erzeuger zum Verbraucher kommen: Entweder er fließt durch
eine Freileitung oder durch ein im Boden eingegrabenes Erdkabel.
Ob die Kabel über- oder unterirdisch verlaufen, hing bisher vor allem von der Spannungsebene
ab. Die Hochspannungsleitungen werden – außer in Städten – an Masten aufgehängt durch die
Landschaft geführt: 50 Meter hohe Gittermaste mit einer Breite von 31 Metern (bei der Übertragung
von 3.000 MW). Die gesamte Trasse hat eine Breite von 70 Metern. Dagegen verschwinden die Kabel mit geringerer
Spannung in der Regel im Boden. Für die Übertragung von 3.000 MW sind drei jeweils einen Meter
breite Gräben im Abstand von fünf Metern erforderlich. Die gesamte Trasse ist 20 Meter breit.
Nach den Bauarbeiten kann der Streifen überwuchern, muss aber von Bäumen freigehalten werden.
Der Baustellenbereich muss 30 Meter breit sein und einen tragfähigen Untergrund haben.
Auf der Höchstspannungsebene ist es deutlich kostengünstiger, eine neue Freileitung
zu bauen als ein Erdkabel zu verlegen. Allerdings sind neben der Installation auch die Kosten
für Betrieb, Wartung, Instandhaltung und Stromverluste bei der Übertragung ins Kalkül zu
ziehen. Experten gehen davon aus, dass 380-kV-Erdkabel am Ende doppelt bis zehnmal so teuer
werden können wie entsprechende Freileitungen. Bei 110 kV-Hochspannungsleitungen kann eine
unterirdische Verlegung jedoch unter bestimmten Umständen sogar preiswerter sein. Auf jeden
Fall sind die Preisunterschiede im 110-kV-Bereich wesentlich geringer, wie Erfahrungen aus Dänemark belegen.
Es ist bekannt, dass Freileitungsbauverfahren Jahre, teils Jahrzehnte dauern. Ursache dieser
langen Verfahrensdauern sind u. a. der erhebliche Widerstand, der vor allem Freileitungen im Siedlungsgebiet
und in Landschaftsschutzgebieten erwächst. Die unterschiedlichen Standpunkte werden
regelmäßig mit den gleichen (teils falschen, oft irrelevanten) Argumenten hinterlegt:
Kabelvarianten auf Höchstspannungsebene seien teuer, reparaturanfällig, schwierig im Unterhalt
– so die Netzbetreiber.
Freileitungen seien gesundheitsgefährdend, umweltschutzwidrig oder schlicht hässlich – argumentiert
die Gegnerschaft. Sie verbreitet mitunter ihrerseits fragwürdige Meldungen über Beeinträchtigungen von Mensch
und Tier, über Strahlenschutz und auch über die tatsächlichen Kosten, die regelmäßig zu tief angesetzt werden.
Seitdem im Januar für den 40 km langen „Neubau einer 110-kVFreileitung Neuenhagen-Abzweig
Letschin“ das Raumordnungsverfahren (ROV) eröffnet wurde, hat sich die Bürgerinitiative „Keine
Freileitung in Märkisch-Oderland“ formiert (www.keine-freileitung.de). Sie will nicht grundsätzlich den
Leitungsbau verhindern, bemängelt aber, dass „der Ertüchtigung vorhandener Netze bzw. der
Erdverlegung ungenügende Bedeutung beigemessen wurde“. Sie will versuchen, so viel Mitbürger „wie
möglich zu sensibilisieren und aktivieren, so dass eine Überarbeitung des ROV stattfi ndet und eine
gemeinsame Lösung für Mensch-Tier-Umwelt-Wirtschaft gefunden wird“.
Dr. Ralph Donath