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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010

Spar- oder Streichpaket?

Wenn das Haushaltsgeld nicht mehr für die Butter aufs Brot reicht, muss gespart werden. Das lässt sich leicht vermitteln. Das wird dann in gleicher Naivität auf die Staatsfi nanzen übertragen und fertig ist das Rezept für eine politische Debatte, die ein ganzes Volk ergreifen kann. Zur Lösung der Probleme trägt sie nicht bei. Denn es entsteht noch mehr Unmut und die Fronten verhärten sich.

Schon der Begriff „Sparen“ passt nicht. Er bezeichnet die Situation, in der ein Teil des Einkommens für die Zukunft zurückgelegt wird. Ob nun für eine Anschaffung oder für die Zeit, in der die Einkünfte knapper werden.

Nach dem Altersvorsorgebarometer von JPMorgan Asset Management fallen die Vorsorgeleistungen im Norden der Republik besonders mickrig aus. In Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen- Anhalt sparen gerade einmal 34,4 Prozent fürs Alter. Im Nord-Westen (Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen) sind es rund 36,2 Prozent und in der Region Mitte-West mit Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland liegen die Zahlen mit 37,5 Prozent ebenfalls noch unter dem deutschen Durchschnitt.

Deutlich besser sind die Sparquoten in Nordrhein-Westfalen mit 42,0 Prozent und in Bayern mit 42,9. Sie werden nur getoppt von den Sparern in Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. Im Ländle legen immerhin 51,9 Prozent der Menschen etwas fürs Alter zurück. Thüringen und Sachsen bringen es sogar auf beachtliche 55,5 Prozent Vorsorge-Sparer. Allerdings – wenn überhaupt, sparen die Deutschen meist unter 50 Euro monatlich.

Dass Haus, Auto oder neue Möbel mit einem Kredit fi nanziert werden, ist nicht ungewöhnlich. Doch bei einigen Menschen entsteht mit der Zeit ein Schuldenberg, der nicht mehr zu bewältigen ist. Für viele Verbraucher ist es schon zu spät – sie können ihre Schulden beim besten Willen nicht mehr tilgen. Experten gehen von etwa drei bis vier Millionen überschuldeten Privathaushalten in Deutschland aus. Von Überschuldung spricht man, wenn Lebenshaltungskosten, Raten und Rechnungen höher sind als die monatlichen Einnahmen. Der Grund dafür ist in mehr als der Hälfte der Fälle ein überraschender Tiefschlag.

Bei 29 Prozent der Betroffenen sind es Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Einkommenseinbußen, durch die sie in fi nanzielle Schwierigkeiten geraten. Veränderung der Lebensumstände wie Trennung, Scheidung oder Tod des Partners sind mit 14 Prozent die zweithäufigste Ursache für eine Überschuldung – bei alleinerziehenden Müttern mit mehr als einem Kind sogar die häufi gste. Bei Zahlungsschwierigkeiten werden den Betroffenen oft überteuerte Umschuldungen angeboten, die sie noch tiefer in das Schuldenkarussell treiben.

Otto Normalverbraucher versuchen manche einzureden, dem Staat gehe es ebenso. Daher solle er einfach keine Schulden mehr aufnehmen und seine Ausgaben kürzen – schon sei er das Problem Überschuldung los.

Das Gegenteil ist zu befürchten. Eine Finanzpolitik extremer Sparsamkeit wird zu Kürzungen der öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur führen. Die Verkehrswege werden vernachlässigt, die Schulgebäude bleiben angesichts desolater kommunaler Finanzen in ihrem schlechten Zustand. Die Engpässe beim Ablauf des normalen wirtschaftlichen und sozialen Lebens werden immer schmerzlicher – auf Kosten künftigen Wirtschaftswachstums und künftiger Steuereinnahmen. „Was schafft Arbeit?“ – ist die Parole für Staat wie Privat.

Dr. Ralph Donath