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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010
Wie man Disteln bekämpft
In unserem Garten entdeckte ich einst eine Distel. Sie war gerade ein paar Zentimeter groß, zeigte die ersten Stacheln. Ich wusste, dass es Sorten gibt, die später interessante Blüten zeigen. Also ließ ich sie größer werden. Wohl
kamen immer mehr Stacheln, doch die Blüten ließen auf sich warten. Besonders schön sah die Pfl anze immer noch nicht aus.
Eigentlich störte sie den Anblick des gesamten Gartens. Sie wirkte wie ein Fremdkörper in der Natur. Als sie endlich ziemlich fahl blühte, konnte man sich nicht so recht daran freuen. Sie war ein Fremdkörper.
Eines Tages war der Versuch für mich beendet. Ich wollte die Distel herausreißen. Durch den dicksten Arbeitshandschuh spürte ich die unangenehmen Stacheln. So ging das also nicht. Die Wurzeln hatten sich bereits so fest im Boden verankert, dass meine Kraft nicht reichte. Da nahm ich einen alten Meißel und stach die Pflanze wie einen Spargel unter der Erdoberfläche ab. Nun hatte ich erst einmal Ruhe.
Doch die dauerte nicht lange. Aus den Blüten waren Samen geworden, die nun überall neue Pflänzchen austreiben ließen.
Wachsam geworden, riss ich sie bereits als Minidisteln heraus. Aber aus den Wurzeln der Mutterpflanze trieben erneut wackere
Sprosse heran. So blieb mir nichts anderes übrig, als letztlich die Wurzeln herauszugraben. Das war mühsam und hinterließ ein
ordentliches Loch.
An einer anderen Stelle war ganz unbemerkt eine noch gewaltigere Distel zum Blühen gekommen. Das Abstechen erwies sich
als mühsam und letztlich unwirksam, weil die Wurzeln immer neue Triebe hervorbrachten. Ich werde mir wohl in Zukunft Zeit nehmen müssen, nach den tiefsten Wurzeln zu graben, um so das Distelproblem in den Griff zu bekommen.
Als in Erwartung des Aufmarsches der Kameradschaft Märkisch Oder Barnim (KMOB) in Strausberg der Öffentlichkeit zahlreiche Aufrufe zu Gegenaktionen präsentiert wurden, musste ich unwillkürlich an mein Distelproblem denken. Waren
diese Aktionen geeignet, den aufkeimenden Rechtsextremismus am Wachstum zu hindern? Waren die Aufmärsche der Kameradschaft
nicht gerade zu diesem Zweck geplant, ihr Wirken bekannt zu machen? Was wäre denn, wenn die hundert Mann marschieren, und
keiner nimmt Notiz von ihnen, sagten sich nicht Wenige? Was wollen DIE eigentlich? Haben denn Leute, die die Schrecken
der Nazizeit verharmlosen, heute überhaupt eine Chance, bei den Massen anzukommen?
Selbst gegen Gesetze zu verstoßen, indem man das verfassungsmäßige Recht auf Versammlungsfreiheit durch Sitzblockade
einschränkt, wird als heldenhaft dargestellt.
Im Polizeibericht findet man folgende Passage: „Nachdem ein Großteil der Teilnehmer der Aufzugblockade sich der Identitätsfeststellung verweigert hatte, nahm die Polizei nach richterlicher Bestätigung die Personalien aller Blockadeteilnehmer auf. Teilweise mussten sie von den Beamten zur Identitätsfeststellung weggetragen werden. Die Polizei stellte von circa 230 Personen die Identität fest und sprach 50 Platzverweise aus. Es wurden je 2 Anzeigen wegen Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte aufgenommen. Des Weiteren nahmen die Beamten je eine Anzeige wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und wegen Beleidigung auf. Die Beamten stellten einen Verstoß gegen das Waffengesetz fest. Gegen 2 Personen wurden Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz erstattet. Außerdem wurde eine Anzeige wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten in Verbindung mit einem Verstoß gegen § 21 des Versammlungsgesetzes aufgenommen.
Es erfolgten insgesamt 8 Gewahrsamnahmen. Die 8 Personen wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen
entlassen.“
Das lehrt uns das Beispiel von der Distelbekämpfung: Wenn man es unterlässt, die Wurzeln zu beseitigen, wird man
Unkraut nicht mehr los.
Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung im Jahr 2006 (Befragung von 5.036 Bundesbürgern) stellte sich heraus: Die
großen „Volksparteien“ und selbst liberale Parteien wie FDP und die Grünen sowie die Linken haben einen hohen Anteil an Wählern mit ausländerfeindlichen Einstellungen unter ihrer Wählerschaft.
Menschen, die ihren sozialen Status in Gefahr sehen bzw. einen gesellschaftlichen Status einnehmen, der unter einem gewünschten oder erwarteten liegt, neigen eher dazu, rechtsextreme Positionen zu vertreten. Die Gruppe derjenigen, die ein manifestes rechtsextremes Weltbild zeigen, haben einen deutlich autoritären Erziehungsstil mit viel Ablehnung und wenig Wärme
erfahren. Sowohl Depressivität als auch Ängstlichkeit sind bei Rechtsextremen eher zu finden. Sie sehen weniger Sinn im politischen Engagement und für sich weniger Einflussmöglichkeiten auf die Regierung. Auffallend: Rentner und Vorruheständler bilden die größte Gruppe innerhalb der Rechtsextremen (41,8 %). So viele Ansatzpunkte...
Dr. Ralph Donath