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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010
Faire Preise ...
Mit der Forderung nach fairen Preisen für Agrarprodukte und Lebensmittel hat Brandenburgs Ministerpräsident
Matthias Platzeck am Montag den Brandenburg-Tag auf der Grünen Woche in Berlin eröffnet.
Es sollte gegen die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ angegangen werden, damit die Bauern der Region auch
leben und weiterhin die Menschen mit Qualitätsprodukten versorgen können.
„Gut gebrüllt, Löwe!“ könnte man ihm zurufen. Doch wie wenig hat dieser Ausspruch mit dem
tatsächlichen Leben zu tun. Das ist gerade so, als wollte man den Löwen zum Vegetarier
machen. Kapitalismus funktioniert eben so, dass nach größtmöglichem Profi t gestrebt wird. Und
zwar in jedem Wirtschaftszweig. Von Staats wegen könnten Monopole, die sich im Aufkauf wie im
Verkauf bilden, eingeschränkt werden. Das Kartellgesetz soll angeblich derartiges verhindern.
Wie aber im Einzelfall ein Gericht entscheidet, sei dahingestellt. Fakt ist, dass immer wieder
herauskommt, dass selbst unter Konkurrenten Preise abgesprochen werden. Selten im Sinne des Kunden.
Andererseits soll über Preisdumping erreicht werden, das der Mitbewerber nicht mehr mithalten
kann und aufgibt. Das kann über weite Strecken (wie gerade bei Lebensmitteln zu erleben) für den
Endverbraucher idyllisch scheinen. Ziel für die Marktteilnehmer ist (und muss es auch sein) mehr Einnahmen
als Ausgaben zu haben. Da bekanntlich nach alter Kaufmannsregel beim Einkauf der meiste Gewinn
zu erzielen ist, fällt das den Bauern in diesem Fall auf die Füße.
Da bleibt nur ein Weg: Man muss besser verkaufen. Das kann geschehen, indem man sich
einig ist, nur zu Mindestpreisen abzugeben. Das ist ja immer wieder schief gelaufen. Man kann
rationalisieren, was wiederum Kapital (meist als Kredit) erfordert (wenn man ihn bekommt ...). Oder
man versucht, seine Produkte (oder wenigstens einen Teil) in Direktvermarktung an den Verbraucher zu bringen.
Davon können sich eher nur kleinere Betriebe über Wasser halten. Hausschlachtenes
gilt zwar von jeher als etwas Besonderes. Und wenn ein- bis zweimal im Monat (wie am kommenden
Samstag) zig Leute zum „Hofladen hinter der Mühle“ fahren, um die leckeren Produkte
aus drei geschlachteten Schweinen in die heimischen Kühltruhen zu schaffen, so reicht es noch nicht
einmal, um die kleine Familie der Nebenwirtschafts-Bauern aus Hartz IV zu holen. Was wäre da
ein fairer Preis? Woran orientieren? An den Preisen der Supermärkte? An dem tatsächlichen Aufwand?
Nein, nein! Der Markt legt das fest. Ist der Preis den Abnehmern zu hoch, kommen sie nicht mehr.
Wir haben es in den vergangenen 20 Jahren erlebt: Immer weniger Bauern betreiben Landwirtschaft
und der Erlös ist eher karg. Trotz aller Agrarsubventionen und Überbrückungshilfen. Zudem ist
da noch die Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Wo die Sonne kostenlos Energie für drei Ernten im Jahr
liefert und die Bauern mit noch niedrigeren Löhnen auskommen, werden die Produkte hergeholt. Da
wird Matthias Platzeck wenig Überzeugungsarbeit leisten können. Und freiwillig mehr Geld ausgeben, weil
man Geiz nicht mehr geil findet???
Der Weg für den Brandenburger Bauern geht nur über Qualität und entsprechende, überzeugende
Werbung für seine Produkte. Er geht über Tourismusangebote und Direktvermarktung. Er führt auch
zu größeren Produktionseinheiten, zum Graus der Anwohner ...
Dr. Ralph Donath