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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010
Kaloriensteuer
Dick, dicker, deutsch – in der Bundesrepublik leben im EU-Vergleich die meisten Übergewichtigen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes werden die Bundesbürger immer dicker. So waren im vergangenen Jahr mehr als 51 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übergewichtig. 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen litten demnach 2009 an Übergewicht. 1999 waren es noch 56 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen gewesen.
In der Gruppe der 70- bis 74-jährigen war die Zahl der Übergewichtigen laut Statistischem Bundesamt besonders groß. Etwa drei Viertel der Männer in diesem Alter waren übergewichtig, bei den Frauen waren es 63 Prozent. Aber auch junge Erwachsene leiden immer häufiger an Übergewicht. Bereits bei den 20- bis 24-jährigen waren 29 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen übergewichtig. In allen Altersgruppen waren Männer häufiger betroffen als Frauen. Singles hingegen galten
im letzten Jahr seltener als zu dick.
Immer wieder wollen Forscher herausgefunden haben, dass die Vererbung eine große Rolle spielt. „Fettleibigkeit ist wohl die härteste Nuss in der gesamten Genetik“, gibt Hans-Georg Joost,Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) in Potsdam-Rehbrücke, zu bedenken.
Nach seinen Schätzungen könnten zwischen 20 und 50 Gen-Varianten „das Gewicht eines Menschen in eine bestimmte
Richtung drücken“. Ob sie es aber auch tun, hängt wohl stark vom individuellen Verhalten ab.
Von allen Industriestaaten sind die USA das Land mit dem höchsten Anteil von Fettleibigen. In den USA wurden die fi nanziellen Folgen der Fettleibigkeit schon 2007 auf 90 Milliarden Dollar beziffert. Zu gesünderem Ess verhalten kann da auch der Druck auf die Haushaltskasse führen, haben Forscher aus den USA festgestellt: Der Preis eines Lebensmittels beeinflusst dessen Konsum. Die Wissenschaftler haben Daten von über 5.000 Teilnehmern einer Querschnittsstudie über 20 Jahre ausgewertet.
Stieg der Preis von Limonade und Pizza, wurden sieben Prozent weniger Limo und zwölf Prozent weniger Pizza konsumiert.
Der geringere Konsum dieser an Zucker, Fett und Stärke reichen Lebensmittel machte sich unmittelbar bemerkbar: Die Energieaufnahme ging zurück, ebenso das Körpergewicht, selbst eine Insulinresistenz verringerte sich. Ging der Preis für Limo um einen Dollar hoch, nahmen die Teilnehmer im Mittel 144 kcal weniger am Tag auf als zuvor. Dafür wurde im Mittel ein Kilogramm Gewicht verloren.
Eine Politik, die auf den Preis ungesunder Lebensmittel zielt, könnte also deren Konsum verringern, folgern die Autoren. – Wie wäre es mit einer diesbezüglichen „Kaloriensteuer“, liebe Gesundheitspolitiker? Das könnte man den Bürgern doch gut verklickern...
Das Beste gegen zu viel Körpergewicht ist allerdings ausreichend Bewegung. Und – Sportlich aktive Dicke haben eine höhere Lebenserwartung als magere Stubenhocker.
Dr. Ralph Donath