[Home]

[ zurück]

Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010

Wundersame Laubvermehrung

Billy Six ist einer der jüngeren Abgeordneten in Neuenhagen. Er nimmt seine Wahlfunktion ernst und sein eigenwilliges Auftreten hat ihm schon manche Ungemach erwirkt.

Jetzt hat er – angelehnt an ein Geschehen in der Nachbargemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf – als „1-Mann-Rechnungsprüfungsausschuss“ die Laubentsorgung in seiner Gemeinde recherchiert. Dabei ist ihm aufgefallen, dass das derzeitig mit der Aufgabe betraute Unternehmen eine „wundersame Laubvermehrung“ in Rechnung gestellt hat:

2007: 8.175,10 Kubikmeter,

2008: 9.138,00 Kubikmeter,

2009: 8.902,00 Kubikmeter,

wobei die Vorgängerfirma May von 1991 bis 2004 jeweils eine jährliche Menge von 3.100 bis 4.500 Kubikmeter und die Vorgängerfirma RUWE 2006 4.069,10 Kubikmeter Laub abgerechnet hat. Das Laub wurde auf dem unternehmenseigenen Kompostplatz deponiert, wobei es keinerlei Nachweise über Lademengen gebe.

Im selben Zeitraum wurden in Neuenhagen übrigens 180 laubstarke Bäume gefällt, ohne dass ein entsprechend laubrelevanter Ersatz geschaffen werden konnte.

Die Gemeindeverwaltung hatte – wohl im Wissen um die ungefähren Mengen – 2007 eine Bedarfsposition in Höhe von 4.500 Kubikmeter Laub ausgeschrieben.

Billy Six beantragte in der Gemeindevertretersitzung am vorigen Donnerstag die Bildung eines Untersuchungsausschusses. Es solle die im Raum stehende Befürchtung geklärt werden, ob es eine bewusste Absprache gegeben habe, und das betreffende Unternehmen nur deshalb einen mehr als 52 Prozent günstigeren Einheitspreis als der nächst höhere Wettbewerber bieten können, weil es Teil einer geheimen Vereinbarung wäre, im Gegenzug einfach mehr abzurechnen (nach Vermutung des Abgeordneten Billy Six gehe es um mehr als 100.000 Euro).

Die Verwaltung indes hat zu den Vorwürfen schriftlich Stellung genommen. Sie weist die Vermutung, die Abrechnung sei nicht ordnungsgemäß erfolgt, „entschieden zurück“. Allerdings gesteht sie zu, „dass die Laubmengen stark schwankend sind und die Schwankungen zum Teil nicht vollständig aufzuklären sind“.

Der Grünen-Abgeordnete Georg Stockburger beantragte, die Angelegenheit zurück in die regulären Ausschüsse zu verweisen. Ein Untersuchungsausschuss wäre „der Sache nicht angemessen“. 10 Abgeordnete sprachen sich dagegen aus, 11 dafür. Es gab 2 Enthaltungen.

„Die Bürger erwarten, dass ordentlich mit ihrem Geld umgegangen wird“, begründete Billy Six seine Aktivitäten. In Fredersdorf-Vogelsdorf beschäftigt sich inzwischen die Kriminalpolizei mit den Vorwürfen. Ein Großteil der Lieferscheine sollen hier nur als Kopie eingereicht worden sein, bei denen die laufenden Nummern abgedeckt wurden.

Dr. Ralph Donath