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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010

Ruhestand aufgeschoben

Die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Deutschland wächst. Und das hat nichts mit den gesetzlichen Regelungen zu tun. 2009 waren 38,7 % der Personen zwischen 60 und 64 Jahren erwerbstätig und damit fast doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. 2009 ging die Erwerbsbeteiligung in der Bevölkerung ab einem Alter von 50 Jahren langsam zurück. Bis zu diesem Alter lag sie bei knapp 90 %. Die meisten Menschen in Deutschland schieden im Alter zwischen 58 und 64 Jahren aus dem Erwerbsleben aus und damit noch vor dem aktuell geltenden gesetzlichen Rentenalter. Mit 64 Jahren beteiligte sich noch knapp jeder Vierte (23,7 %) am Erwerbsleben. Von den 65-jährigen war es nur noch jeder Neunte (11,6 %). Menschen über 65 Jahre stehen nur noch relativ selten im Erwerbsleben – wenn auch teilweise bis in ein hohes Alter.

Vor zehn Jahren sah die Situation für ältere Erwerbspersonen noch anders aus. Damals stieg die Erwerbslosenquote ab einem Alter von 52 Jahren an und lag für die 59-jährigen sogar bei 22,0 %. 2009 stellte Erwerbslosigkeit im Alter kein besonderes Problem mehr dar. Sie lag unter dem Durchschnitt der Bevölkerung. Letztlich kann auch nicht davon gesprochen werden, dass die gestiegene Erwerbsbeteiligung vorwiegend in Form von atypischer Beschäftigung stattgefunden hat. Erwerbstätige von 58 bis 64 Jahren sind sogar seltener in atypischer Beschäftigung als die 15- bis 64-jährigen insgesamt (19,9 % gegenüber 21,9 %).

Betrachtet man alle Personen, die sich 2009 im Ruhestand befanden, so war gerade die Hälfte davon (50,0 %) regulär wegen ihres Alters in den Ruhestand gegangen. Neben den 27,8 % der Ruheständler, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Erwerbstätigkeit aufgegeben hatten, hatten weitere 22,2 % Vorruhestandsregelungen genutzt oder waren aus der Arbeitslosigkeit in den Ruhestand gegangen.

Besser qualifizierte Personen arbeiten in der Regel länger und die Qualifikation älterer Menschen steigt. Allerdings hat das Ruhestandsalter für alle älteren Menschen unabhängig von ihrer beruflichen Qualifikation zugenommen.

Mit 22,7 % ist mehr als jede fünfte Person 2008 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Dabei lag das durchschnittliche Alter derjenigen, die 2008 gesundheitsbedingt in den Ruhestand gingen bei gut 55 Jahren und damit rund 8 ½ Jahre niedriger als bei denjenigen, die in den regulären Altersruhestand gingen.

Gesundheitliche Probleme spielen in den einzelnen Berufen eine unterschiedlich starke Rolle dafür, die Erwerbstätigkeit aufzugeben und in den Ruhestand zu gehen. Dies ist häufiger der Fall, wenn der Beruf anstrengende körperliche Tätigkeiten mit sich bringt oder mit viel Publikumsverkehr verbunden ist.

Besonders häufig gingen Personen, die in Hoch- und Tiefbauberufen gearbeitet hatten, gesundheitsbedingt in den Ruhestand (46,9 %). In ähnlichem Maße war das für Personen in Ausbauberufen, also beispielsweise Fliesenleger und Heizungsbauer, und für Polsterer (45,4 %), sowie für Maler und Lackierer (39,5 %) der Fall. Mit Abstand am seltensten gingen als Ingenieure, Chemiker, Physiker oder Mathematiker tätige Personen gesundheitsbedingt in den Ruhestand (14,6 %). Ebenfalls relativ niedrig waren die entsprechenden Anteile für Berufe, die vorwiegend im Büro ausgeübt werden. Allerdings war auch in solchen Berufen für rund ein Fünftel der Personen die Gesundheit ausschlaggebend, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

Dr. Ralph Donath