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Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010

Funkwellenhysterie

Der Mensch und auch andere Lebewesen haben zwar Sinnesorgane für Lichtwellen und Wärmestrahlung, nicht aber für Funkwellen. Auch Leute, die sich selbst als „elektrosensibel“ bezeichnen, können nicht feststellen, ob ein Mobilfunkgerät neben ihnen ein- oder ausgeschaltet ist. Trotzdem: Kopfschmerzen und andere Beschwerden, weil in 300 m Entfernung ein Funkmast steht, können nachweislich auftreten, sind aber psychisch bedingt. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Fall aus Spanien, wo ein Mechaniker der Telefónica-Tochter „movistar“ beinahe gelyncht worden wäre, als er in ein Dorf kam, wo seit kurzem ein Mobilfunkmast stand. Einige Bewohner klagten seitdem über starke Kopfschmerzen. Der Mann war gekommen, um den Mast in Betrieb zu nehmen!

Einen ähnlichen Fall gab es sogar hier in Petershagen/Eggersdorf. Ein Schulfreund unseres Lesers Manfred Kramer war als Bauleiter mit Arbeiten an dem hiesigen Seniorenheim beauftragt, wouzu auch eine Mobilfunk-Basisstation auf dem Dach der Einrichtung gehörte. „Natürlich“ gab es Proteste. Einzelne Pfl eger litten schon unter Kopfschmerzen, kurz nachdem die Antenne stand. Zum Glück konnte der Bauleiter diesen Leuten zeigen, dass noch keinerlei Geräte angeschlossen waren.

In der öffentlich per Internet zugänglichen EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur wird für die inzwischen betriebene Anlage ein gemessener Wert von 0,259 Prozent (!!!) des zulässigen Grenzwertes angegeben (http://emf.bundesnetzagentur.de). Funkwellen gehören zur nichtionisierenden Strahlung. Bei höherer Dosis kann im bestrahlten Objekt ein Wärmeeffekt auftreten. Dieser Wärmeeffekt wird seit Jahrzehnten in der Medizin (!!!) ausgenutzt und in neuerer Zeit im Mikrowellenherd. Die mit dieser Leistung erzeugte Wärme kann sogar Schaden anrichten, ohne Schmerzen zu verursachen, weil einige Organe empfindlich gegen Hitze sind, aber keine Nerven aufweisen, die Schmerzen weiterleiten. Daher gibt es Grenzwerte, die festlegen, welcher Feldstärke Menschen gefahrlos ausgesetzt sein dürfen. Diese liegen um Tausender-Faktoren niedriger als Feldstärken, die den Wärmeeffekt erzeugen.

Die maximale Leistung eines Mobilfunktelefons liegt bei ca. 2 Watt. Bei dieser Leistung ist auch mit empfindlichen Messgeräten noch kein Wärmeeffekt feststellbar. Die Leistung wird bis in den Milliwattbereich (tausendstel Watt!) heruntergeregelt, wenn sich die Basisstation (der Funkmast) in der Nähe befindet. Dies geschieht nicht wegen der Gefährlichkeit der Strahlung des Handys, sondern um Strom zu sparen und damit einen längeren Betrieb des Gerätes zu sichern, ohne dass der Akku geladen werden muss.

Noch geringer ist die Funkstrahlung der Mobilfunkmasten. Zwar verwenden deren Sender eine Leistung von ca. 30 Watt (was ebenfalls noch keinen Wärmeeffekt bewirkt), aber sie befinden sich durch die Höhe des Mastes in größerer Entfernung von Menschen als ein Handy. Die geltenden physikalischen Gesetze bewirken, dass die Feldstärke mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Das heißt, wenn die ca. 30 Watt auf einen Punkt am Fuße eines 35 m hohen Mastes gelangen würden, käme nur noch ca. ein Tausendstel (ca. 30 Milliwatt) davon an (30 Watt geteilt durch 35 hoch 2 = 1.225). Aber natürlich sendet die Station ja nicht auf einen Punkt am Fuße des Mastes, sondern – wie alle Funksender – möglichst weit verteilt ins Land. Die Feldstärke von Funksendern ist deshalb schon in geringer Entfernung so schwach, dass sie in den Empfangsgeräten (Handy, Radio, Fernseher usw.) millionenfach verstärkt werden muss, damit sie hörbar gemacht oder anderweitig genutzt werden kann. Die Hysterie gegen Mobilfunkmasten ist deshalb in besonderem Maße ein Zeichen von mangelnden physikalischen Kenntnissen. Wenn schon eine Diskussion zu Funkwellen, dann eher zur Gefährlichkeit von Handys ...

Dass trotz allem weiter nach schädlichen Einflüssen von Funkwellen geforscht wird, steht dem nicht entgegen. Erstmals sollen Bluttests nachweisen, ob Elektrosmog den menschlichen Organismus schädigen. International tätige Wissenschaftler renommierter Universitäten starteten in Mastbruch im Kreis Paderborn eine Studie, die bis zu 500.000 Euro kosten soll. Eine lohnende Aufgabe ...

Dr. Ralph Donath