[
zurück]
Das BAB-Archiv: Die Kolumnen 2010
(Un)gleichheit
Gleiche Arbeitschancen und gleiche Entlohnung – dies waren 1911 die zentralen Forderungen
beim ersten Internationalen Frauentag. Einige dieser Ziele sind 99 Jahre danach erreicht, und in
manchen Bereichen haben die Frauen sogar überholt. So haben Frauen zwischen 15 und 39 Jahren
durchschnittlich höhere Bildungsabschlüsse in Schule und Beruf als Männer. Anschließend zieht
es die meisten von ihnen aber in „typische“ Frauenberufe, die üblicherweise schlecht bezahlt werden.
So arbeiten viele Frauen im Friseurhandwerk, in der Krankenpfl ege, in sozialen Berufen oder in der Raumpfl
ege. Hier liegt die Frauenquote zwischen 81 und 92 %.
In Berufen der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung hingegen beträgt ihr Anteil
rund ein Drittel. Insgesamt sind 25 % der Führungspositionen auf erster Führungsebene mit
Frauen besetzt. Dabei scheint die Faustformel zu gelten: Je größer das Unternehmen, desto weniger
Frauen in Führungspositionen. Bei einer Betriebsgröße zwischen 1 und 9 Personen ist der
Frauenanteil an der ersten Führungsebene am höchsten (26 %). Mit steigender Größe des Unternehmens
nimmt die Frauenquote immer weiter ab, bis sie bei 500 und mehr Mitarbeitern bei 4 % angekommen ist.
Nach wie vor erhebliche Differenzen zeigen sich zwischen alten und neuen Bundesländern.
Während in den alten Bundesländern eine weibliche Beschäftigte etwa ein Viertel weniger verdient
als ihr Kollege, liegt die Differenz in den neuen Ländern bei nur fünf Prozent. Familienbedingte Unterbrechungen,
ein größerer Anteil an Teilzeitbeschäftigung und die geringe Quote in Führungspositionen
sind die wesentlichen Ursachen für den signifi kanten Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen.
Der Verdienstabstand von Frauen zu Männern erhöht sich mit zunehmendem Alter kontinuierlich.
In der Altersklasse bis 24 Jahre sind es gerade einmal zwei Prozent, bei den über 60-jährigen
trennen Frauen- und Männergehälter über 30 Prozent Verdienst.
Unterschiede zwischen Mann und Frau findet man auch in der Kriminalstatistik. Der Frauenanteil
in Justiz vollzugsanstalten ist nach wie vor sehr gering: Am 30.11.2009 waren laut Statistischem
Bundesamt (Destatis) nur gut 3.800 der insgesamt 70.800 Gefangenen in Deutschland weiblich (5,3 %).
Dabei variierte der Frauenanteil zwischen den Vollzugsarten. Im Strafvollzug (von Freiheits-
oder Jugendstrafe) lag der Frauen anteil mit 3.000 weiblichen Gefangenen bei gut 5,2 %. Gleichzeitig
betrug der Frauenanteil in der Abschiebungshaft 7,9 % und in der Untersuchungshaft 5,9 %.
In der Sicherungsverwahrung befanden sich am 30. November 2009 fast ausschließlich Männer (Frauenanteil 0,6 %).
Für die statistisch erfasste Kriminalität gilt generell, dass der Frauenanteil im Gang der Strafverfolgung
abnimmt. So kamen 2008 in der Gruppe der polizeilich registrierten Tatverdächtigen auf
drei Männer eine Frau, bei den Verurteilten auf fünf Männer eine Frau und bei den Strafgefangenen auf
achtzehn Männer eine Frau. Dies erklärt sich vor allem dadurch, dass Frauen nicht nur weniger, sondern
auch leichtere Straftaten begehen. Bedeutsam ist zudem, dass straffällig gewordene Frauen ein geringeres
Rückfallrisiko und eine günstigere Sozialprognose aufweisen als Männer. Mit Erziehung wird man das wohl kaum erklären können.
Immer öfter wird vergessen, dass es zwischen Frauen und Männern nicht nur den kleinen
Unterschied gibt. Sie existieren biologisch bedingt – und es wäre töricht, diese weg zu diskutieren.
Viel mehr müssen sie bereits Kindern erklärt werden, um in späterer Zeit falsche Urteile zu vermeiden.
Frauen sollten wissen, dass Männer nicht absichtlich maulfaul sind, sondern oft wortlos grübeln
(nachdenken), um Lösungen für anstehende Probleme zu fi nden. Dass Frauen hingegen das Herz auf
der Zunge haben, ihre Stimmungslage sich mit einen Wortschwall über den Zuhörer ergießt, ist nicht
Boshaftigkeit. Und Mann muss nicht gleich wieder über Lösungsvorschlägen brüten. Oft reicht es, Verständnis zu zeigen.
Frauen reden oft „zwischen den Zeilen“. Sie sagen eher: „Kommst Du an den Salzstreuer
ran?“ als „Reichst Du mir bitte den Salzstreuer!“
Umgekehrt suchen Frauen instinktiv im Text des Mannes zwischen den Zeilen. Sagt er: „Du
siehst heute ganz besonders hübsch aus!“ – fi ndet sie mitunter darin den Vorwurf, das sei nicht jeden Tag so ...
Frauen untereinander sind es gewöhnt, zwischen den Zeilen zu reden und zu hören. Das kann
zwar auch einmal zu Missverständnissen führen. Aber längst nicht so dramatisch, als wenn ein Mann
Klartext spricht, und die Frau deutlich alles Mögliche zwischen den Zeilen hört – was er nicht einmal schwach andeuten will.
Gewöhnen Sie sich an diese Unterschiede!
Dr. Ralph Donath